75 Jahre CDU Jülich

Am 20. Januar 1946 wurde die CDU Jülich gegründet. Inmitten einer Trümmerwüste trafen sich einige Frauen und Männer um Verantwortung für ihre Heimat zu übernehmen und Zukunft zu gestalten.

Wir werden den Geburtstag mit politischen Weggefährten feiern, wenn wir uns wieder real treffen können.

Peter Capellmann (Senior) erinnerte sich an die Anfänge nach dem Krieg (Text von 1996)

Aus den Anfängen der CDU Jülich

Das für mein Leben einprägsamste und nachhaltigste Erlebnis war die Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft in meine total zerstörte Heimatstadt im November 1945.
Damals stand ich zutiefst erschüttert dort, wo sich vormals die Normaluhr befand, an der Kreuzung Kölnstraße, Wilhelmstraße, Friedrichstraße (heute Große Rurstraße), und konnte über die Trümmer der ganzen Stadt hinwegschauen.
Ich mußte mich zunächst einmal orientieren, um zu meinem Elternhaus am Ende der Neußer-Straße zu finden. Es stand nicht mehr. Meine Eltern und Geschwister hausten unter einem riesigen Trümmerhaufen im Keller.
Ich habe mich damals gefragt: Was kann ich tun, was kann ich dazu beitragen, daß aus diesen Ruinen wieder neues Leben entsteht?
So ähnlich wie mir mag es manchem Heimkehrer ergangen sein.
Es reichte einfach nicht aus, für sich und die nächsten Angehörigen einigermaßen erträgliche Lebensbedingungen unter den schwierigsten Umständen zu schaffen, wenn das zunächst auch die größte Sorge war.
Auch der geistige und politische Aufbau unserer Heimat erforderte tatkräftige Mitarbeit, zu der man sich schon aus Dankbarkeit dafür, daß man diesen Wahnsinnskrieg heil überstanden hatte, verpflichtet fühlte.
So kam dann wie selbstverständlich die Teilnahme am Wiederaufbau der Heimat sowohl in materieller, bei Aufräumungs- und Enttrümmerungsarbeit, als auch in ideeller Hinsicht, wobei mich dieser Weg auch bald über die Jugendbewegung als Dekanatsjugendführer und Vorsitzender des Kreisjugendringes zur Gründung der Jungen Union und in die Kommunalpolitik führte.
Ein genaues Gründungsdatum der CDU in Jülich vermag ich nicht zu nennen. Die alten Parteien, vor allem die SPD, konnten auf politisch erfahrene Mitglieder von vor der NS-Zeit zurückgreifen. Hier sind vor allem A. Poik, J. Hommen und G. Dieden zu nennen.
Während der britische Ortskommandant Oberst Richardson schon im März 1945 den Lehrer J. Bierth zum Bürgermeister ernannte, kommt es erst im Januar 1946 zur Ernennung eines Stadtrates. Bis dahin hatten sich die Parteien konstituiert, so auch die Christlich-Demokratische-Union.

Die Gründung unserer Partei in Jülich ist auf das engste mit dem Namen Heinrich Kräling verknüpft. Der von der Militärregierung ernannte Volksschulrektor H. Kräling war es, der im Oktober 1945 eine kleine Gruppe verantwortungsbewußter Jülicher Bürger aus dem christlichen Lager in das Lokal Burkhardt auf der Linnicher Straße einlud und mit ihnen die Gründung der Christlich Demokratischen Union beschloß.
Man war sich bald einig darüber, daß es sich nicht um das Aufleben des alten Zentrums handeln durfte, sondern daß diese Union aus der geschichtlichen Erfahrung heraus der Zusammenschluß aller demokratischen Kräfte der beiden christlichen Konfessionen sein mußte. Katholiken und Protestanten sollten sich zum gemeinsamen politischen Handeln verbinden.
Heinrich Kräling wird auch der erste Vorsitzende der CDU in Jülich. Er wird dann auch von der Ortskommandantur zu Rate gezogen, als es im Januar 1946 darum geht, ein erstes Stadtparlament mit 19 Stadtverordneten zu ernennen.
Der Rat setzt sich zusammen aus zehn Vertretern der CDU, fünf der SPD und vier der KPD.
Für die CDU wurden ernannt Frau Margarete Mertens, Frau Anna Pfennigs, die Herren Heinrich Kräling, Josef Bierth, G. Geilenkirchen, Heinrich Röttgen, Peter Huppertz, H. Plum, A. Nathan und Edmund Timberg.
Die erste Sitzung dieses ernannten Rates fand am 14. März 1946 statt. Damit war das Fundament einer demokratischen Selbstverwaltung, wenn auch unter starkem Einfluß der Militärregierung, gelegt.
Noch im gleichen Jahr fanden am 15. September die ersten freien Kommunalwahlen statt, die der CDU einen überragenden Erfolg brachten. Alle zwölf Direktmandate fielen an die CDU, von der Reserveliste nochmal zwei an die CDU, drei an die SPD und einer an die KPD. Bürgermeister wird nun Heinrich Röttgen.
Bei dieser ersten freien Wahl durften wir Jüngeren uns als Plakatkleber betätigen, und es kam nicht selten vor, daß wir anschließend mit den Klebern der SPD gemeinsam ein Bier tranken, kannten wir uns doch alle als „alte Jülicher” untereinander. Wir waren eben alle, auch über die Parteigrenzen hinweg, von dem einen Gedanken beseelt, aus einer heute kaum noch vorstellbaren Zerstörung unsere gemeinsame Heimat wieder aufzubauen.
Sowohl A. Poik, der mich durch meinen Vater kannte, als auch H. Kräling forderten mich schon kurz nach meiner Heimkehr auf, politisch mitzuwirken.
Ich entschied mich damals, aus der katholischen Jugendbewegung kommend und beeindruckt von dem Gedanken des Zusammenwirkens der beiden christlichen Konfessio-nen, für die CDU, in der ich Anfang 1946 Mitglied wurde.
Als Vertreter der jüngeren Kriegsteilnehmergeneration, aus der viele nicht mehr heimkehrten, wurde ich auch bald in den Stadtparteivorstand und wenig später in den Vorstand der Kreispartei, deren Vorsitzender seit Herbst 1946 Wilhelm Johnen war, gewählt.

Als ich dann mein Studium an der Pädagogischen Akademie in Aachen absolviert hatte und im Beruf stand, wurde ich 1952 als jüngster Vertreter zusammen mit H. Röttgen, O. Baldus, W. Hermann, W. Nork, Karl Knipprath (unserem späteren langjährigen Bürgermeister), E-. Bosse, Thomas Jansen, P. Peterhoff, J. Lengersdorf und Dr. J. Halbsguth für die CDU in den Rat der Stadt Jülich gewählt.
Wir waren uns damals über die Parteigrenzen hinweg einig, Gegenwart und Zukunft unserer Stadt, ihren Wiederaufbau, ihre Weiterentwicklung und die Daseinsvorsorge für die Bürgere gemeinsam verantwortungsvoll zu gestalten.
Es bleibt das große Verdienst der Frauen und Männer um Heinrich Kräling, in der jungen Partei nicht nur für die Erfüllung der elementaren Erfordernisse der persönlichen und lokalen Selbstbehauptung gearbeitet zu haben, sondern auch für eine Identitätsfindung in einer Zeit des totalen Umbruchs und des Neubeginns.
50 Jahre CDU in Jülich waren 50 Jahre Arbeit zum Wohle der Bürger unserer Stadt. Ich wünsche der heutigen CDU etwas von dieser Aufbruchstimmung der ersten Jahre.

Peter Capellmann (Senior, Ehemaliger Rektor der Realschule Jülich und CDU Fraktionsvorsitzender)

Quelle: Festschrift zum 50 Jährigen Jubiläum 1996

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Die CDU Jülich ist der Zusammenschluss von über 300 Jülicher Bürger, die sich für Ihre Heimat einsetzten. Wir organisieren und in Ortsverbände und dem Stadtverband. Wir sind Frauen und Männer, junge Menschen und Senioren, Studenten, Arbeiter, Beamte, Forscher, Angestellte, Selbständige - kurz Jülicher, Muttkrate und anderswo geborene.

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